Verfahrenstechnologe/in in der Mühlen- und Futtermittelwirtschaft

Säcke schleppen, eingehüllt in weißen Mehlstaub wie im Märchenfilm? Weit gefehlt. Das zeigt schon die Bezeichnung ‘Verfahrenstechnologe in der Mühlen- und Futtermittelwirtschaft’, früher Müller. Er zählt heute zu den technologisch anspruchsvollen Berufen, die im Handwerk und in der Industrie ausgebildet werden.

Getreide zu Mehl, Grieß oder Schrot für Backwaren, Fertig- und Babynahrung oder Futtermittel zu mahlen, ist Hightech-Arbeit, die höchsten Qualitätsstandards genügen muss. So lernt der Verfahrenstechnologe in der dreijährigen Ausbildung, automatisierte Anlagen zu betreiben und instand zu halten. Er bestimmt und kontrolliert die gewünschte Qualität des Mahlgutes mittels Labortests sowie durch Sicht-, Geruchs- und Tastkontrolle.

Mithilfe des Maschinenparks wird gemischt, geprüft, gewogen, abgepackt und gelagert. Dabei gilt es, die strengen Hygienevorschriften sowie die Nahrungsmittelgesetzgebung zu beachten. Auch das rechtzeitige Erkennen und Bekämpfen von Schädlingen gehört zu seinen Aufgaben.

Schwerpunkte aber sind die halb- und vollautomatischen Produktionsprozesse, mit denen Mahl- und Schälerzeugnisse für die menschliche und tierische Ernährung hergestellt werden. In Getreidemühlen entstehen aus Getreide – meist Weizen und Roggen, zunehmend auch sogenanntem Pseudo-Getreide wie Buchweizen – Mehl, Grieß, Dunst und Nebenprodukte, die an Haushalte, Bäckereien, Brotfabriken und Handelsbetriebe verkauft werden. Die Nebenerzeugnisse werden für die menschliche und tierische Ernährung sowie für technische Zwecke verwendet.

In Schälmühlen produziert man u. a. aus Gerste, Reis, Hirse und Hafer Nahrungsmittel wie Haferflocken, Graupen und Flakes. In Mischfutterbetrieben entsteht aus pflanzlichen, tierischen und mineralischen Rohstoffen sowie bisweilen Zusatzstoffen Futter für Wild-, Nutz-, Zoo- und Labortiere. In Gewürzmühlen schließlich verarbeitet man Rohstoffe zu Gewürzpulvern und -pasten.

Der Verfahrenstechnologe in der Mühlen- und Futtermittelwirtschaft überwacht die Annahme und Lagerung der Rohstoffe, startet Reinigungs- und Sortiervorgänge, vermahlt, dosiert, wägt und mischt, schält, flockiert und presst mittels automatisierter Abläufe bis zum fertigen Erzeugnis, das zunächst fachgerecht gelagert und schließlich an die Abnehmer geliefert wird. Qualitätssicherung spielt dabei eine wichtige Rolle.

Für den täglichen Arbeitsablauf muss man technische Zusammenhänge erfassen, Kombinationsvermögen sowie Entscheidungsbereitschaft und Sorgfalt besitzen. Auch organisatorisches und kaufmännisches Denken und Handeln sind wichtig.

Nach der Ausbildung arbeitet der Verfahrenstechnologe in der Mühlen- und Futtermittelwirtschaft in der Regel in Getreidemühlen, Mischfutterbetrieben, Schälmühlen (Nährmittelherstellung und -aufbereitung), in Gewürzmühlen oder in Ölmühlen zur Herstellung von Speiseöl. Themen wie die Mischfutterherstellung, neue Entwicklungen in der Lebensmittelforschung und -industrie, Gewürze oder das Qualitätsmanagement erfordern eine ständige Lernbereitschaft. Weiterbilden kann man sich zum Meister oder Techniker. Auch ein Studium der Lebensmitteltechnologie ist machbar.