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Roche plant die Zukunft mit ‘Personalisierter Ausbildung’

"Wir machen die Ausbildung am Individuum fest", sagt Frank Fillinger, Leiter der kaufmännischen und IT-Ausbildung bei Roche: Das fordere auch die Ausbilder, die z.B. quartalsweise intensive Gespräche mit dem Nachwuchs führen. Roche leitet so einen Perspektivwechsel ein: von der Gruppe zum Individuum, das über seine Lerninhalte mit entscheidet, wobei der Rahmen vom Unternehmen und Institutionen wie den Kammern und den Kultusministerien vorgegeben wird.

„Wir machen die Ausbildung am Individuum fest“, sagt Frank Fillinger, Leiter der kaufmännischen und IT-Ausbildung bei Roche: Das fordere auch die Ausbilder, die z.B. quartalsweise intensive Gespräche mit dem Nachwuchs führen. Roche leitet so einen Perspektivwechsel ein: von der Gruppe zum Individuum, das über seine Lerninhalte mit entscheidet, wobei der Rahmen vom Unternehmen und Institutionen wie den Kammern und den Kultusministerien vorgegeben wird.

Mannheim. Lernende unterscheiden sich immer stärker hinsichtlich ihres Alters und ihrer Vorbildung. Hinzu kommt, dass sich die Auswahl an Lernmöglichkeiten im Laufe der Jahre deutlich erweitert hat; allein das Angebot an E-Learning-Modellen explodiert geradezu. Um diesen Entwicklungen gerecht zu werden, geht das Unternehmen Roche Diagnostics GmbH mit dem innovativen Ausbildungsformat ‘Personalisierte Ausbildung’ neue Wege. „Eine One-fits-all-Standardlösung genügt moderner Ausbildung nicht mehr”, stellt Edgar Vieth, Roche-Geschäftsführer Personal, fest. “Unsere Fachbereiche erhalten Personal, dessen Qualifikationen genau auf den Bedarf zugeschnitten sind. Gleichzeitig nutzen wir die Stärken unserer Nachwuchskräfte und sorgen für eine abwechslungsreiche, individuelle Ausbildung. Davon profitieren alle.”

In enger Zusammenarbeit mit der Ausbildungsleitung, den Ausbildern, Auszubildenden und Studierenden entwickelte Frank Fillinger, Leiter der kaufmännischen und IT-Ausbildung bei Roche in Mannheim, die Idee, Ausbildungsinhalte modular und auf den einzelnen Lernenden abzustimmen. “Die Anforderungen an unsere Auszubildenden und dual Studierenden und deren eigene Bedürfnisse zeigen ein immer größer werdendes Spektrum auf”, nimmt Fillinger den Faden von seinem Geschäftsführer auf. “Für die einen war manches zu leicht, anderes zu früh, wieder anderen ging es zu schnell. Darum haben wir ein Konzept entwickelt, das die persönlichen Belange jedes Einzelnen in den Mittelpunkt stellt und zugleich die Anforderungen an das Studium und die Erfordernisse des Unternehmens berücksichtigt.”

Und Dr. Elke Schwing, Ausbildungsleiterin am Mannheimer Standort, ergänzt: “Mit einem modernen und individuellen Ausbildungsprogramm wollen wir unsere Auszubildenden bei der Gestaltung ihrer Bildungslaufbahn tatkräftig unterstützen. Somit investieren wir in die Zukunft der Lernenden und des Unternehmens.”

Im September 2014 startete eine Pilotgruppe von zehn Studierenden der Fachrichtung BWL-Industrie, gefolgt von weiteren drei Studiengängen in diesem Jahr: Angewandte Informatik, Wirtschaftsinformatik und Gesundheitsmanagement. Ab 2016 werden alle Studierenden die Personalisierte Ausbildung nutzen.

16 Pflichtmodule und zehn Wahlmodule erlauben bei BWL-Industrie zeitliche Flexibilität und individuelle Schwerpunkte. E-Learning als Lehrmöglichkeit, die eine Balance zwischen elektronischem Selbststudium und Präsenzveranstaltungen schafft, zeichnet das Programm aus. Damit verzahnen sich auch Arbeits- bzw. Lern- und Freizeit. Der Nachwuchs erhält mehr gestalterische Freiheit. Damit es dabei nicht zu einer Überforderung komme, so Fillinger, müssen die jungen Leute in engem Zusammenwirken mit den Ausbildern lernen, sich selbst zu regulieren, soll heißen: sich eigene Ziele zu setzen, Prozesse zu planen und Ergebnisse zu bewerten.

“Kein Problem für uns”, sagt BWL-Student Matteo Brauchle. Er war sofort begeistert, als er bei seinem Vorstellungsgespräch von der Personalisierten Ausbildung hörte – für ihn ein entscheidendes Kriterium: “Wenn man seine eigene Ausbildung mitgestalten darf, motiviert das enorm!”

Die Pilotphase wurde wissenschaftlich von Dr. Veronika Strittmatter-Haubold, Akademische Direktorin der Pädagogischen Hochschule Heidelberg, begleitet. “In der Lehrkräfteausbildung im Schul- und Hochschulkontext arbeiten wir seit geraumer Zeit an derselben Herausforderung”, sagt sie. “Für mich ist es bemerkenswert, dass die betriebliche Ausbildung in den Bildungsprozessen bereits einen Schritt weiter ist. Ein zukunftsweisender Ansatz von Roche, die einzelnen Lernenden in den Mittelpunkt zu stellen.” Geklärt werden soll, ob der Nachwuchs im Vergleich zur herkömmlichen Ausbildung besser, schneller, effektiver lernt, auf welche Kompetenzen er Wert legt, ob er seinen Bedarf erfassen kann und lernt, sich selbst richtig einzuschätzen.

Nina Sturm jedenfalls (auch sie gehört zur Pilotgruppe) sieht sich auf ihrem optimalen Ausbildungsweg. Sie hat u.a. Work-Life-Balance (die Vereinbarkeit von Leben, Familie und Beruf) als Wahlmodul belegt und will sich nächstes Jahr Richtung Schweden orientieren: “Da erscheint es mir gut, mich mit dem passenden Baustein vorzubereiten.”

Roche Diagnostics bietet Ausbildungs- und duale Studienplätze in kaufmännischen, naturwissenschaftlichen, technischen und IT-Berufen an. Derzeit bildet das Unternehmen in Mannheim rund 300 Auszubildende in 15 Berufen aus.