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Spinphysik und Quantencomputing: Leibniz-Preis für Wolfgang Wernsdorfer

von Team ZukunftBeruf | 14 Dezember 2018
Wolfgang Wernsdorfer. Foto: Sandra Göttisheim, KIT

Wolfgang Wernsdorfer. Foto: Sandra Göttisheim, KIT

Karlsruhe. Professor Wolfgang Wernsdorfer vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) erhält den Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis 2019 der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Mit dem mit 2,5 Millionen Euro höchstdotierten Wissenschaftspreis Deutschlands werden die Forschungen des Experimentalphysikers zu Elektronik, Spinphysik und Quantencomputing gewürdigt.

Wernsdorfer gehört zu den weltweit führenden Experten für Nanomagnetismus und Einzelmolekülmagnete und deren Einsatz in Quanten-Rechner-Systemen. Im Mittelpunkt seiner Forschung steht die molekulare Quanten-Spintronik, ein Gebiet der experimentellen Festkörperphysik an der Schnittstelle zur Chemie und zur Materialwissenschaft. Mit seiner Forschungsgruppe entwickelt er schnelle und zuverlässige Methoden, um Spinzustände einzelner magnetischer Moleküle zur Quanteninformationsverarbeitung auszulesen – wesentliche Voraussetzungen für künftige Quantentechnologien. Wernsdorfers Gruppe war die erste, die Quanten-Spin-Zustände in einem Molekül messen und kontrollieren konnte.

Quantenphysikalische Effekte machen zahlreiche neue Anwendungen in den verschiedensten Bereichen. Prominentes Beispiel ist die Informationsverarbeitung: Anders als klassische Computer, die mit Bits arbeiten, die immer den Wert Null oder Eins annehmen, nutzen Quantencomputer als kleinste Recheneinheit Quantenbits, kurz Qubits, bei denen es auch Werte zwischen Null und Eins gibt. Durch Verschränkung von Qubits untereinander entstehen gemischte Quantenzustände, die es ermöglichen, viele Rechenschritte parallel auszuführen.

„Auf dem Weg zu künftigen Quantencomputern liefert Wolfgang Wernsdorfer maßgebliche Beiträge und prägt damit eine der wesentlichen Zukunftstechnologien mit“, sagt der Präsident des KIT, Professor Holger Hanselka.

Wolfgang Wernsdorfer, Jahrgang 1966, ist seit 2016 Humboldt-Professor am KIT. Mit diesem Preis zeichnet die Alexander-von-Humboldt-Stiftung weltweit führende und bisher im Ausland tätige Wissenschaftler aus. Die Humboldt-Professur ist Deutschlands höchstdotierter Forschungspreis mit internationaler Ausrichtung. Am KIT baut Wernsdorfer derzeit ein bislang einzigartiges Zentrum für molekulare Quantenspintronik auf. Zuvor war er in Grenoble, Frankreich, tätig. Sein Physik-Studium begann er nach einer Ausbildung zum Elektriker und der Berufsoberschule an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg und beendete es in Lyon, Frankreich.