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Wert von Berufen: BIBB-Präsident fordert gesamtgesellschaftliche Debatte

von Team ZukunftBeruf | 20 Februar 2019

Bonn. Was bewegt Gymnasiastinnen und Gymnasiasten zur Aufnahme einer beruflichen Ausbildung? Angesichts steigender Studierendenzahlen hat das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) untersucht, wer trotz Abi eher eine Ausbildung als ein Studium plant und welche Faktoren dafür eine Rolle spielen. Neben Einflüssen des sozialen Umfelds sind der Berufsorientierungsprozess sowie Kosten-, Nutzen- und Chanceneinschätzungen der Jugendlichen von Bedeutung, lautet das Ergebnis.

Die Pläne der Jugendlichen sind zunächst stark durch die Erwartungshaltung der Eltern geprägt, hat die Studie gezeigt. Nur wenige Jugendliche, die ein Studium anstreben, vermuten demnach, dass ihre Eltern sich statt eines Studiums eine Ausbildung für sie wünschen. Die Wahrscheinlichkeit, eine Ausbildung in Betracht zu ziehen, erhöht sich indessen, wenn die Jugendlichen vermuten, dass sich auch mit einer Ausbildung ein Beruf ergreifen lässt, der vom Niveau her ähnlich oder besser ist als die von den Eltern ausgeübten Berufe. Daher regen die BIBB-Fachleute an, bei Berufsorientierungsmaßnahmen neben den individuellen Interessen und Zielen der Jugendlichen auch die sozialen Prozesse zu verdeutlichen, unter deren Einfluss sie stehen. Wenn sie sich dessen bewusst würden, könnten sie dies bei ihrer Entscheidungsfindung bedenken.

Sowohl Studien- als auch Ausbildungsinteressierte erwarten von einem Studium einen hohen Nutzen. Doch nur Ausbildungsinteressierte sehen dies auch für eine Ausbildung so. Die Wahrscheinlichkeit, eine Ausbildung für sich in Betracht zu ziehen, steigt also mit der Überzeugung, damit auch attraktive Berufschancen zu haben. Eine bessere Aufklärung über die Karriereperspektiven nach der Ausbildung könnte daher aus Sicht des BIBB zu mehr Interesse an einer Ausbildung beitragen.

Die Untersuchung ergab ferner, dass die Wahrscheinlichkeit, eine Ausbildung anzustreben, umso höher ist, je konkreter die eigenen beruflichen Vorstellungen sind. Viele Jugendlichen meinten, vor allem forschend-abstrakte oder künstlerisch-sprachliche Tätigkeiten nur über ein Studium ausüben zu können. Die Berufsorientierung solle daher deutlicher zeigen, dass auch viele Ausbildungsberufe derartige Aspekte bieten, etwa Labor- oder IT-Berufe, technischer Produktdesigner, Buchhändler oder Mediengestalter.

BIBB-Präsident Friedrich Hubert Esser: „Um die Attraktivitätsverluste der beruflichen Bildung in den Griff zu bekommen, braucht es eine gesamtgesellschaftliche Debatte über den Wert von Berufen.“
Info: Für die Analyse wurden Daten des Nationalen Bildungspanels herangezogen, in dessen Rahmen 2.500 Jugendliche, meist 17 bis 18 Jahre alt und in der Abschlussklasse am Gymnasium, befragt wurden. 16 Prozent nennen eine Ausbildung, 84 Prozent ein Studium als realistischen Plan für ihren weiteren Bildungsweg.